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Wanderungsaustausch mit dem Bundesgebiet

Letzte Aktualisierung: 18.11.2021

Wanderungsvolumen des Freistaates Sachsen mit dem Bundesgebiet

Liniendiagramm Wanderungsaustausch mit dem Bundesgebiet von 1989 bis 2020. Im Zeitraum 1989 bis 2020 kamen rund 1,45 Millionen Menschen aus dem Bundesgebiet nach Sachsen. Gleichzeitig zogen in diesem Zeitraum 1,91 Millionen Menschen fort.

Das Wanderungsgeschehen Sachsens mit dem übrigen Bundesgebiet war über einen langen Zeitraum durch die Abwanderung in die westdeutschen Bundesländer und Berlin bestimmt. Das Wanderungsgeschehen der Jahre 1989 und 1990 überlagerte alle anderen Wanderungen und wirkte nachhaltig auf die Bevölkerungsentwicklung im Freistaat Sachsen. Danach ging der Überschuss der Fortzüge deutlich zurück, blieb aber gegenüber Westdeutschland und Berlin bis 2013 bestehen. Betrachtet man das gesamte Bundesgebiet, überstiegen ab 2012 die Zuzüge die Fortzüge.

Im Zeitraum 1989 bis 2020 kamen rund 1,45 Millionen Menschen aus dem Bundesgebiet nach Sachsen. Gleichzeitig zogen in diesem Zeitraum 1,91 Millionen Menschen fort. Daraus resultierte ein Wanderungsverlust von fast einer halben Million Menschen (462 700). Allein die Abwanderung in den Jahren 1989 und 1990 machte mit einem Verlust von 206 500 Personen rund 45 Prozent der gesamten Wanderungsverluste aus. Die seit 2012 erreichten Wanderungsgewinne beliefen sich bis 2020 auf 41 200 Personen.

Säulendiagramm Wanderungsgewinne bzw. Wanderungsverluste von 1989 bis 2020 gegenüber Westdeutschland und Berlin früheren Bundesgebiet und Berlin sowie Ostdeutschland. Den größten Wanderungsaustausch gab es mit Westdeutschland und Berlin.

Bei der Unterteilung des Bundesgebiets in Westdeutschland und Berlin sowie Ostdeutschland lassen sich deutliche Differenzen erkennen. Neben dem unterschiedlichen Volumen lief auch die Entwicklung verschieden ab. Den größten Wanderungsaustausch gab es mit Westdeutschland und Berlin. Fast zwei Drittel (63 Prozent bzw. 916 000 Wanderungsfälle) aller Zuzüge der Jahre 1989 bis 2020 aus dem Bundesgebiet entfielen auf Westdeutschland und Berlin. Rund 37 Prozent bzw. 532 500 Zuzüge kamen aus den ostdeutschen Flächenländern. Ohne Berücksichtigung der Jahre 1989 und 1990 kamen durchschnittlich pro Jahr 30 200 aus Westdeutschland und Berlin und 16 400 Personen aus Ostdeutschland.

Auch bei den Fortzügen in das Bundesgebiet dominierten die Fortzüge nach Westdeutschland und Berlin. Rund 76 Prozent aller Fortzüge (1,46 Millionen) erfolgten dorthin. Die Fortzüge in die ostdeutschen Flächenländer hatten einen Anteil von 24 Prozent. Daraus ergaben sich auch die sehr unterschiedlichen Wanderungsbilanzen. Gegenüber Westdeutschland und Berlin verzeichnete Sachsen Wanderungsverluste von 542 400 Personen. Nur für die Jahre 2014 und 2015 und 2017 bis 2020 kamen mehr Menschen aus Westdeutschland und Berlin als dorthin zogen. Die dadurch erzielten Wanderungsgewinne waren mit 14 000 Personen jedoch vergleichsweise gering. Demgegenüber steht eine fast gegenläufige Entwicklung des Wanderungsgeschehens mit den ostdeutschen Flächenländern. Bereits seit 1996 konnte der Freistaat durchgängig Wanderungsgewinne verzeichnen, die einschließlich der Gewinne der Jahre 1990 und 1991, bis 2020 einen Umfang von 83 500 Personen erreichten. Nur 1989 sowie von 1992 bis 1995 bestand mit den ostdeutschen Flächenländern eine negative Wanderungsbilanz von 3 800 Personen. 

Altersstruktur des Wanderungsaustauschs mit dem Bundesgebiet

Gestapeltes Säulendiagramm Wanderungssalden von 1989 bis 2020 gegenüber Westdeutschland und Berlin nach Altersgruppen. Die höchsten Verluste wies über den gesamten Zeitraum die Altersgruppe der 25- bis unter 45-Jährigen auf.

Neben den Unterschieden im Wanderungsvolumen weist der Wanderungsaustausch mit dem Bundesgebiet auch Differenzen in der Altersstruktur der Wandernden auf. Nachdem Anfang der 1990er Jahre fast alle Altersgruppen nach Westdeutschland und Berlin im größeren Umfang abwanderten, gingen die Wanderungsverluste Mitte der 1990er Jahre zurück, ohne dass sich die Altersstruktur der Abwandernden wesentlich veränderte. Mit der sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage ab Ende der 1990er Jahre verstärkte sich die negative Wanderungsbilanz bei den Kindern (Familienwanderung) und Jugendlichen sowie den Altersgruppen der erwerbsfähigen Bevölkerung.

Westdeutsche Bundesländer und Berlin

Gestapeltes Säulendiagramm Wanderungssalden von 2015 bis 2020 gegenüber Westdeutschland und Berlin nach Altersgruppen.

Bereits ab 2011 gingen die Wanderungsverluste dann wieder deutlich zurück. Erstmalig wurden für 2014 Wanderungsgewinne von 1 400 Personen mit Westdeutschland und Berlin erzielt. Die Altersgruppe der 25- bis unter 45-Jährigen wies im Zeitraum 1989 bis 2020 Wanderungsverluste von insgesamt 214 000 Personen auf. Auf diese Altersgruppe entfielen damit rund 39 Prozent der Gesamtwanderungsverluste. Gleichzeitig lässt sich aus dem Wanderungsaustausch der letzten Jahre ableiten, dass Sachsen ein „Ausbildungsland“ ist, da es ab 2012 Wanderungsgewinne von insgesamt 6 600 Personen in der Altersgruppe der 18- bis unter 25-Jährigen (Ausbildungsbeginn) gab. Die im Zeitraum 2012 bis 2019 erzielten Wanderungsverluste bei den 25- bis unter 45-Jährigen von 12 200 Personen lassen jedoch vermuten, dass der Berufseinstieg sowie allgemein die Arbeitsmarktchancen in Westdeutschland als besser eingeschätzt wurden. 2020 verzeichnete Sachsen in dieser Altersgruppe einen Wanderungsgewinn gegenüber Westdeutschland und Berlin von 1 200 Personen, seit 1989 waren Wanderungsgewinne bisher nur 1994 bis 1996 zu verzeichnen. Von 2017 bis 2020 gab es leichte Gewinne bei den unter 18-Jährigen (2 400 Personen) sowie den 45- bis unter 65-Jährigen (5 700 Personen). Bei der Altersgruppe der unter 18-Jährigen kann ein Familienzuzug vermutet werden, der durch bessere Kinderbetreuung sowie der Vereinbarkeit von Beruf und Familie getragen sein kann. Gleichzeitig sind hinter den Wanderungsgewinnen der Altersgruppe ab 45 Jahren auch Rückkehrmotive zu vermuten.

Ostdeutsche Bundesländer

Gestapeltes Säulendiagramm Wanderungssalden von 1989 bis 2020 gegenüber den neuen Bundesländern. Die höchsten Gewinne wies über den gesamten Zeitraum die Altersgruppe der 18- bis unter 25-Jährigen auf.

Im Vergleich zur Altersstruktur der Wandernden nach Westdeutschland und Berlin weist das Wanderungsgeschehen Sachsens mit den ostdeutschen Flächenländern eine andere Struktur auf. Der Wanderungsaustausch war hier von Wanderungsgewinnen bestimmt. Die Jahre 1989 sowie 1992 bis 1995 mit Verlusten von insgesamt 3 800 Personen verringerten die positive Wanderungsbilanz nur geringfügig. Im gesamten Betrachtungszeitraum erzielte Sachsen somit einen Überschuss von 79 700 Zuzügen. Im Gegensatz zur Bevölkerungsstruktur der Wanderungen nach und aus Westdeutschland wies Sachsen hier die höchsten Gewinne in der Altersgruppe der 18- bis unter 25-Jährigen mit 49 400 Personen auf. Daraus kann geschlossen werden, dass Sachsen als attraktiver Bildungsstandort gesehen wird und im Vergleich zu den anderen ostdeutschen Bundesländern bessere Arbeitsangebote für junge Erwerbsfähige bietet, da auch für die Altersgruppe der 25- bis unter 45-Jährigen eine positive Wanderungsbilanz von 31 500 Personen erreicht wurde. Auffällig sind Wanderungsverluste von 4 500 Personen in den 1990er Jahren bei den Personen im Alter von 65 und mehr Jahren, die dazu führten, dass trotz danach einsetzender Gewinne die Wanderungsbilanz 1989 bis 2020 mit einem Verlust von 1 100 Personen negativ war. Die Wanderungsverluste Mitte der 1990er Jahre bei den Altersgruppen der erwerbsfähigen Bevölkerung von 25 bis 64 Jahren sowie bei den unter 18-Jährigen könnte ihre Ursache auch in der Neubautätigkeit in den an Sachsen angrenzenden Gemeinden der anderen ostdeutschen Bundesländer haben. Dies könnte auch für die Entwicklungen der letzten Jahre seit 2016 eine Ursache sein. Gleichzeitig lässt sich auch für den Wanderungsaustausch mit den übrigen ostdeutschen Bundesländern ab 2017 vermuten, dass Sachsen auch hier zum „Ausbildungsstandort“ wurde, da trotz stabiler Wanderungsgewinne bei den 18- bis unter 25-Jährigen von insgesamt 8 800 Personen 2017 bis 2020 die Wanderungsgewinne bei den 25- bis unter 45-Jährigen nur 1 300 Personen betragen (2020 sogar ein Verlust von 240 Personen).

Wanderungsaustausch mit dem Bundesgebiet nach Staatsangehörigkeit

Die Balkengrafiken zeigen die Entwicklung der Wanderungen Sachsens mit dem Bundesgebiet von 1989 bis 2020 und 2011 bis 2020 nach Staatsangehörigkeit

Die negative Wanderungsbilanz mit dem Bundesgebiet im Zeitraum 1989 bis 2020 wurde sowohl von den Deutschen als auch von den Nichtdeutschen getragen. Von den 462 700 Personen, die mehr ins Bundesgebiet zogen als von dort nach Sachsen kamen, waren 11 Prozent Nichtdeutsche. Somit war jeder 9. Wanderungsverlust bzw. 51 400 Personen durch einen höheren Fortzug Nichtdeutscher verursacht. Ab 2011 zeigten die Wanderungssalden der deutschen und nichtdeutschen Bevölkerung sogar gegenläufige Entwicklungen. Während für die deutsche Bevölkerung seitdem Wanderungsgewinne in Höhe von insgesamt 55 600 Personen erzielt werden konnten, bestanden bei der nichtdeutschen Bevölkerung weiterhin Wanderungsverluste von insgesamt 15 900 Personen. Dies lässt die Vermutung zu, dass Nichtdeutsche ihren Lebensmittelpunkt oftmals nicht in Sachsen sehen. Beispielhaft war dafür das Jahr 2016 - als das Jahr nach dem erhöhten Zuzug von Schutzsuchenden im Jahr 2015 - zu betrachten, in dem die Wanderungsverluste gegenüber dem Bundesgebiet mit 3 900 Nichtdeutschen besonders hoch waren.

das Liniendiagramm Wanderungsaustausch zeigt Überschuss der Zu- bzw Fortzüge Deutscher gegenüber Westdeutschland und Berlin1990 bis 2020 nach Altersgruppen

Der Freistaat Sachsen verlor im Betrachtungszeitraum 1990 bis 2020 gegenüber Westdeutschland und Berlin rund 379 900 Einwohnerinnen und Einwohner mit deutscher Staatsangehörigkeit durch die negative Wanderungsbilanz. Die Wanderungsverluste wurden bis 1993 besonders durch die drei Altersgruppen unter 45 Jahre bestimmt. Nach einem Rückgang der Verluste bzw. dem Erreichen von Wanderungsgewinnen bei den 25- bis unter 45-Jährigen in den Jahren 1994 bis 1996 verzeichneten alle Altersgruppen bis 65 Jahre im Jahr 2001 ihren höchsten Wanderungsverlust im Zeitraum 1994 bis 2020. Ursächlich für die hohen Verluste bis 2010 können bessere Arbeitsmarktmöglichkeiten in Westdeutschland sein. Insbesondere die besseren Berufseinstiegschancen schienen lange als Abwanderungsgrund zu wirken.

Ab 2012 gewann Sachsen sehr stark an Attraktivität für Auszubildende und Studieninteressierte aus Westdeutschland und Berlin, was sich in einem positiven Wanderungssaldo von insgesamt 8 700 Deutschen im Alter von 18 bis unter 25 Jahren im Zeitraum 2012 bis 2020 zeigte. Aufgrund der verbesserten Arbeitsmarktsituation ab 2012 verzeichnete Sachsen nun auch Wanderungsgewinne in den Altersgruppen der Erwerbsfähigen im Alter von 45 bis unter 65 Jahren und seit 2017 auch bei den jungen Erwerbsfähigen im Alter von 25 bis unter 45 Jahren. Die Wanderungsgewinne bei den unter 18-Jährigen in Höhe von 5 500 deuten auch eine verstärkte Zuwanderung von Familien mit Kindern im Zeitraum 2012 bis 2020 an.

Nach rückläufigen Verlusten zu Beginn der 1990er Jahre waren seit 1997 in der Altersgruppe der 65-Jährigen und älteren Deutschen bis auf die Jahre 2010 und 2011 durchgängig leichte Wanderungsgewinne zu verzeichnen, die zum Ende des Betrachtungszeitraums leicht zunahmen.

Für Sie zusammengefasst: Wanderungsaustausch Deutscher mit Westdeutschland und Berlin im Zeitverlauf

das Liniendiagramm Wanderungsaustausch zeigt Überschuss der Zu- bzw Fortzüge Deutscher gegenüber Ostdeutschland 1990 bis 2020 nach Altersgruppen

Im Gegensatz zum Wanderungsaustausch mit Westdeutschland und Berlin war das Wanderungsgeschehen mit den anderen ostdeutschen Bundesländern durch Wanderungsgewinne, eine geringere Intensität und eine deutliche Beschränkung auf bildungsbedingte Wanderungen bestimmt.

Die positive Wanderungsbilanz der Jahre 1990 und 1991 beruhte vor allem auf den Wanderungsgewinnen in den beiden Altersgruppen der 18- bis unter 25-Jährigen sowie 25- bis unter 45-Jährigen. Der Rückgang der Gewinne im Zeitraum 1992 bis 1995 bewirkte dann auch einen negativen Gesamtwanderungssaldo mit den anderen ostdeutschen Flächenländern. Danach setzte sich für diese Altersgruppen die Entwicklung der Jahre 1990 und 1991 fort, von 2004 bis 2013 sogar auf höherem Niveau. Von 2014 bis 2019 waren die Wanderungsgewinne der 25- unter 45-Jährigen dann stark rückläufig und 2020 wurde sogar ein negativer Wanderungssaldo bei den Deutschen verzeichnet.

Ab Ende der 1990er Jahre waren zunehmend auch Wanderungsgewinne in den Altersgruppen unter 18 Jahre und 45 bis unter 65 Jahre zu verzeichnen. Sie betrafen sowohl Kinder als auch die Altersgruppe der älteren Erwerbsfähigen. Diese Wanderungsgewinne erreichten jedoch nicht die Dimensionen der Bildungsmigration und der Migration junger Erwerbsfähiger. Dabei kann vermutet werden, dass bis Mitte der 2010er Jahre Sachsen von der besseren wirtschaftlichen Lage im Vergleich zu den anderen ostdeutschen Bundesländern profitieren konnte. Seit 2001 wurden bei den 65-Jährigen und älteren Deutschen gegenüber den anderen ostdeutschen Bundesländern durchgehend Wanderungsgewinne verzeichnet.


Zum Ende des Betrachtungszeitraums nahmen in den betrachteten Altersgruppen die Wanderungsgewinne ab bzw. die Verluste zu, was sich auch in einer rückläufigen positiven Gesamtwanderungsbilanz widerspiegelt. Durch vermehrte Arbeitsangebote im Heimatbundesland kehrten vermutlich auch Auszubildende und Studierende nach Beendigung ihrer Ausbildung bzw. ihres Studiums in Sachsen in ihre Heimat zurück. Sachsen wird auch hier immer stärker zum »Ausbildungsbundesland«. Die seit 2016 zunehmenden Verluste bei den unter 18-Jährigen deuten im Zusammenspiel mit dem Wanderungsgeschehen bei den 25- bis unter 65-Jährigen auch auf attraktivere Entwicklungsmöglichkeiten für Familien in den anderen ostdeutschen Bundesländern hin.

Für Sie zusammengefasst: Wanderungsaustausch Deutscher mit den ostdeutschen Flächenländern im Zeitverlauf

Seit 1989 verlor Sachsen knapp eine halbe Million seiner Bevölkerung durch Abwanderung in das Bundesgebiet. Der negative Wanderungssaldo der Jahre 1989 und 1990 hatte mit 206 500 Personen eine besondere Dimension. In den darauffolgenden 21 Jahren (1991-2011) setzte sich diese Entwicklung fort und der Freistaat verlor nochmals 297 400 Personen durch Abwanderung in die anderen Flächenländer und die Stadtstaaten. Erst ab 2012 konnte Sachsen Wanderungsgewinne gegenüber dem Bundesgebiet erzielen, die sich bis 2020 auf insgesamt 41 200 Personen beliefen.

Die Balkendiagramme zeigen die Entwicklung der Wanderungsgewinne bzw. -verluste Sachsens gegenüber dem Bundesgebiet von 1991 bis 2011 und 2012 bis 2019 nach Bundesländern.

Während mit den ostdeutschen Flächenländern über den Zeitraum 1991 bis 2020 Wanderungsgewinne von 79 000 Personen erzielt wurden, war insbesondere der Zeitraum 1991 bis 2011 durch eine hohe Abwanderung in die westdeutschen Flächenländer und die Stadtstaaten bestimmt. Von den Wanderungsverlusten in Höhe von 343 800 Personen in diesem Zeitraum entfielen fast zwei Drittel auf die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg. Für den gesamten Zeitraum 2012 bis 2020 konnte eine positive Wanderungsbilanz von 8 600 Personen mit Westdeutschland und Berlin erzielt werden. Seit 1990 wurden positive Salden jedoch nur in den Jahren 2014, 2015 sowie 2017 bis 2020 verzeichnet.

Bei der differenzierten Betrachtung des Wanderungsaustauschs mit dem gesamten Bundesgebiet nach Staatsangehörigkeit profitierte Sachsen in den letzten Jahren von Wanderungsgewinnen bei der deutschen Bevölkerung. Dagegen waren sowohl im Zeitraum 1991 bis 2011 mit 34 400 Personen als auch ab 2012 mit 14 200 Personen die Wanderungssalden mit dem Bundesgebiet bei den Nichtdeutschen negativ. Bei der deutschen Bevölkerung lagen die Wanderungsverluste im Zeitraum 1991 bis 2011 bei 262 900 Personen. Von 2012 bis 2020 kamen dann 55 400 Deutsche mehr nach Sachsen als fortzogen.

Für Sie zusammengefasst: Ab 2012 neue Entwicklungen im Wanderungsaustausch mit den Bundesländern

Der Wanderungsaustausch Sachsens mit dem übrigen Bundesgebiet war über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren vor allem durch die Abwanderung nach Westdeutschland und Berlin bestimmt. Im Jahr 2012 konnte Sachsen erstmals Wanderungsgewinne gegenüber dem Bundesgebiet verzeichnen. Die Analyse dieser Entwicklung zeigte, dass Sachsen als »Ausbildungsland« bezeichnet werden kann. Diese These kann auch durch die Betrachtung des Wanderungsaustauschs nach Monaten verdeutlicht werden.

Die Liniengrafik zeigt den Überschuss der Zu- bzw. Fortzüge Sachsens gegenüber dem Bundesgebiet nach ausgewählten Jahren und Berichtsmonaten.

Während die Jahre 2000 und 2005 noch deutlich von Wanderungsverlusten im gesamten Jahresverlauf gekennzeichnet waren, lässt sich 2010 für den Monat Oktober, als üblicher Semesterbeginn an den Universitäten, ein Wanderungsgewinn von 900 Personen feststellen. Für die Jahre 2015, 2019 und 2020 verstärkte sich diese Entwicklung deutlich. So wurden zwischen 30 Prozent (2020) und 41 Prozent (2015) der Wanderungsgewinne in diesen Jahren allein durch den Überschuss der Zuzüge im Monat Oktober erzielt.  

Die Balkengrafik zeigt die Entwicklung des Überschusses der Zu- bzw. Fortzüge Sachsens gegenüber dem Bundesgebiet im Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2020 nach Altersgruppen und Berichtsmonaten.

Die Dominanz der Bildungswanderung zeigt sich noch deutlicher, wenn der Wanderungsaustausch der bildungsrelevanten Altersgruppe der 18- bis unter 25-Jährigen im Vergleich zu den übrigen Altersgruppen betrachtet wird. Im Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2020 erzielte der Freistaat Sachsen für diese Altersgruppe Wanderungsgewinne von 3 100 Personen. Allein auf den Monat Oktober entfiel mit einem durchschnittlichen Wanderungsgewinn von rund 1 600 Personen rund die Hälfte der gesamten Wanderungsgewinne. An zweiter Stelle folgte der Monat September, der ebenfalls mit dem Schul- und Ausbildungsbeginn im Zusammenhang steht

Für Sie zusammengefasst: Dominanz der Bildungswanderung

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